In fast jedem Lebensmittel ist Zucker zu finden. Oftmals in einem viel zu hohen Anteil. Daher gibt es Bestrebungen, den Zuckeranteil in Lebensmitteln zu reduzieren. Dr. Manuel Schätzer vom Institut SIPCAN erklärte uns, was hinter der Initiative „Zucker-raus“ steckt und warum man besser früher als später mit der Zuckerreduktion beginnen sollte.

Warum ist das Thema „Zuckeranteil in Lebensmitteln“ aktuell so wichtig?

Zucker ist in unserer Ernährung omnipräsent. In fast allen Lebensmitteln wird die Süße aus der Zuckerrübe bzw. aus dem Zuckerrohr eingesetzt. Vom Heringssalat über das Joghurt bis hin zur Kinderbiskotte. So wundert es nicht, dass jeder von uns jährlich rund 34 kg Zucker zu sich nimmt. Wenn nur 10 Prozent der aus Zucker aufgenommenen Energie nicht verbrannt, sondern im Körper als Fett gespeichert werden, entspricht dies einer Gewichtszunahme von rund 2 kg pro Jahr. Dabei spielt Übergewicht in unserer Gesellschaft bereits eine sehr große Rolle. 31,3 Prozent der Frauen und 50,6 Prozent der Männer sind aktuell übergewichtig.

Dr. Manuel Schätzer

Univ.-Lektor Mag. Dr. Manuel Schätzer ist Ernährungswissenschafter und Projektleiter bei SIPCAN.

Was sind die Auswirkungen von zu hohem Zuckerkonsum für Menschen?

Die Auswirkungen eines hohen Zuckerkonsums lassen sich sehr gut am Beispiel Getränke erklären. Es gibt einen klaren Zusammenhang zwischen der Zuckeraufnahme aus Getränken und dem Risiko krankhaftes Übergewicht und damit assoziierte Erkrankungen zu entwickeln. Durch die Zuckeraufnahme steigt aber auch allgemein das Risiko an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung, am Metabolischen Syndrom oder an Diabetes Mellitus zu erkranken. Ganz zu schweigen vom Einfluss auf die Zahngesundheit.

Wie viel Zucker ist die empfohlene Tagesdosis für Kinder bzw. für Erwachsene?

Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt, dass die tägliche Energieaufnahme aus Zucker weniger als 10 Prozent ausmachen soll. Die obere Zufuhrmenge hängt also vom Energiebedarf ab und ist somit ein individueller Wert. Bezogen auf einen Durchschnittswert von 2.000 kcal ergibt sich eine obere Grenze von 50 g pro Tag. Jeder von uns konsumiert aber über 90 g pro Tag.

Mit der Initiative „Zucker-raus“ wird die Industrie aufgefordert, den Zuckeranteil in Lebensmitteln zu senken. Warum ist dies eine unterstützenswerte Kampagne?

Die Industrie hat durch gezielte Rezepturanpassungen die Möglichkeit jedem Konsumenten die Chance zu geben die Zuckeraufnahme zu senken und sich schrittweise an weniger Süße zu gewöhnen. Es ist sehr lobenswert, wenn sich engagierte Unternehmen zu diesen Schritten bekennen. Im Rahmen unserer Langzeitstudie beim vorsorgemedizinischen Institut SIPCAN zur Zuckerreduktion in Getränken und Milchprodukten konnten wir seit 2011 eine 18- bzw. 12-prozentige Reduktion des Zuckergehaltes durch Reformulierung und neue Produkteinführungen feststellen. Die Möglichkeiten sind in diesem Bereich sehr groß. Dies gehört auch von wissenschaftlicher Seite unterstützt.

Was ist Ihr Ziel, das Sie mit SIPCAN verfolgen?

SIPCAN setzt sich seit über 10 Jahren für eine Zuckerreduktion ein. Unser Fokus liegt dabei auf Getränken und Milchprodukten, da mit derartigen Lebensmitteln sehr leicht und schnell große Mengen an Zucker aufgenommen werden können. Wir führen jährlich eine bundesweite Erhebung des Angebots mit über 2.000 Produkten durch und stellen die Produkte nach ihrem Zuckergehalt dar. Dadurch wird der Zuckergehalt vergleichbar. Gleichzeitig geben wir klare Orientierungswerte vor, die bei der Produktwahl helfen. Unser Ziel ist es langfristig die gesündere Wahl zur leichteren Wahl zu machen und den Lebensstil positiv zu beeinflussen.

Autor: Bernhard Kröll
Bilder: Adobe Stock | ZVG/SIPCAN

Warum engagiert sich SPAR Österreich für die Initiative Zucker-raus?

Dr. Gerhard Drexel

Dr. Gerhard Drexel ist Vorstandsvorsitzender von SPAR Österreich

810 Tonnen Zucker hat SPAR seit Anfang 2017 durch die Überarbeitung von Rezepturen der SPAR-Eigenmarkenprodukte eingespart. Darüber hinaus hat SPAR mit der zucker-raus-initiative, der Allianz gegen zu viel Zucker, einen Schulterschluss zwischen Ärzten, medizinischen Verbänden, der Lebensmittelindustrie und dem Lebensmittelhandel initiiert. Alle 34 Partner engagieren sich stark, um die Gesellschaft ein bisschen weniger zuckerreich zu gestalten.

„Das Ernährungsverhalten ist der zentrale Schlüssel, wenn es um eine gesunde Ernährung geht. Wir sehen uns verpflichtet, den Konsumentinnen und Konsumenten mit unseren SPAR-Eigenmarken auch Produkte anzubieten, die keinen zugesetzten Zucker enthalten oder nur so wenig Zucker wie möglich. Durch die Überarbeitung der Rezepturen unserer SPAR-Eigenmarkenprodukte konnten wir von Februar 2017 bis heute bereits 810 Tonnen Zucker einsparen. Das sind 810 000 Kilogramm Zucker, die nicht von den Österreicherinnen und Österreichern konsumiert wurden“, so SPAR-Vorstandsvorsitzender Dr. Gerhard Drexel.

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