Nach wie vor halten sich viele Mythen zum Thema Zucker und Süßstoffe. Die einen glauben, man müsse komplett auf Zucker verzichten, die anderen meiden Süßstoffe. Wiederum andere glauben, komplett auf Süße im Leben verzichten zu müssen. Dass das Geheimnis aber im ausgewogenen Verhältnis bzw. im Mix liegt, erklären viele ErnährungsexpertInnen.

Wie viel Zucker ist gesund? Diese Frage beschäftigt seit Jahrzehnten ÄrztInnen, ErnährungswissenschafterInnen und KonsumentInnen gleichermaßen. Und es gibt keine allgemeingültige Antwort darauf. Fest steht, dass zu viel Zuckerkonsum Krankheiten wie Adipositas, Diabetes oder Herz-Kreislauferkrankungen begünstigt. Muss deswegen auf Zucker komplett verzichtet werden? Wohl kaum, denn eine gewisse Menge – die Weltgesundheitsorganisation WHO empfahl 2015 pro Tag sechs Teelöffel – sollte unbedenklich sein.

Also mehr Süßstoffe?

Bis zum Jahr 2020 will die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) evaluieren, wie viel Zucker pro Tag tatsächlich konsumiert werden kann, ohne der Gesundheit zu schaden. Für Personen, die aufgrund einer Diabeteserkrankung oder zur Gewichtsreduktion bereits auf Zucker verzichten, bieten zahlreiche Süßstoffe guten Ersatz. Heute sind bei der Europäischen Union elf Süßstoffe zugelassen, die in der Lebensmittelindustrie zum Süßen verwendet werden dürfen. Neben bekannten Namen wie Saccharin oder Cyclamat findet man darunter auch neuere Süßstoffe wie Advantam oder Stevia.

Der Süßstoff Stevia wird aus der Stevia-Pflanze gewonnen, die ihren Ursprung in Paraguay hat.

Der Süßstoff Stevia wird aus der Stevia-Pflanze gewonnen, die ihren Ursprung in Paraguay hat.

Wie süß soll’s sein?

Alle Zuckeraustauschstoffe haben verschiedene Eigenschaften und unterscheiden sich vor allem in ihrer Süßkraft. So besitzt z.B. Stevia die 300-fache Süße von Zucker. Sie sind praktisch kalorienfrei und werden daher in der Lebensmittelbranche sehr gerne zum Süßen verwendet. Aufgrund der hohen Süßkraft wird meist auch nur wenig davon gebraucht. Einige Süßstoffe werden bereits seit über 100 Jahren in Nahrungsmitteln eingesetzt – Saccharin wurde bspw. bereits 1878 entdeckt. Der Einsatz ist sicher und jeder neue Süßstoff muss vor einer Marktzulassung über mehrere Jahre sehr strenge Tests bestehen. Erst wenn die Lebensmittelsicherheit durch EU-Behörden bestätigt wurde, darf er in Lebensmitteln eingesetzt werden.

Die Ausgewogenheit macht‘s

Trotz dieser Sicherheit gibt es weltweit Gruppen, die entweder versuchen komplett auf Zucker oder gänzlich auf Süßstoffe zu verzichten. Dabei macht weder das eine, noch das andere Extrem Sinn. Viel wichtiger ist ein bewusster Umgang mit Lebensmitteln, bereits beim Einkaufen. Wenn vermehrt auf die Inhaltsstoffe von Produkten geachtet wird, und jeder weiß, was man konsumiert, entsteht automatisch ein tieferes Bewusstsein für Nahrungsmittel. Süßstoffe machen dort Sinn, wo bewusst auf Zucker verzichtet werden soll. Die breite Produktpalette macht es einfach, sich ausgewogen zu ernähren. Nicht immer muss es süß sein. Wenn doch, profitieren Konsumenten davon, dass bereits viele Hersteller ihre Lebensmittel sowohl mit Zucker als auch mit Süßstoffen produzieren. Wie bei so vielem im Leben ist auch hier die Balance entscheidend.

Autor: Lisa Weber
Bilder: Fotolia

Eine Antwort hinterlassen