Die Gefahr einer Pneumokokken-Infektion ist in den Herbst- und Wintermonaten besonders groß. 2017 lag zudem mit 545 invasiven Pneumokokken-Erkrankungen der Stand so hoch wie noch nie. Vorsorgen und Schutzimpfen lautet daher der Rat des Vereins zur Förderung der Impfaufklärung, besonders für Diabetiker.

Die typischen Symptome einer Lungenentzündung (Pneumonie) sind Fieber, Husten und Brustschmerzen. Während jüngere Patienten ohne besondere medizinische Vorgeschichte bei einer durch Pneumokokken ausgelösten Lungenentzündung meist vom Arzt mit Antibiotika behandelt werden können, ist dies bei älteren oder chronisch kranken Menschen nicht so einfach. Daher wird für Personen mit Risikofaktoren (Krebserkrankungen, chronische Lungenerkrankungen wie COPD oder Asthma, Alkoholmissbrauch, chronische Herzerkrankungen oder Diabetes Mellitus) im österreichischen Impfplan ausdrücklich eine Pneumokokken-Impfung empfohlen.

Dr. Helmut Brath, Vorstandsmitglied der ÖDG

Dr. Helmut Brath, Vorstandsmitglied der ÖDG

Hohes Risiko für Diabetiker

„Der chronisch erhöhte Blutzuckerspiegel führt zu einer Funktionsstörung der Immunzellen des spezifischen und des angeborenen Immunsystems, wodurch dieses insgesamt geschwächt wird“, erklärt Dr. Helmut Brath, Vorstandsmitglied der Österreichischen Diabetes Gesellschaft (ÖDG). Dadurch steigt die Infektionsanfälligkeit. Eine Lungenentzündung durch Infektion kann für einen Diabetiker einen Krankenhausaufenthalt oder Entgleisung der Blutzuckerkontrolle bedeuten. Das Risiko einer Pneumokokken-Pneumonie ist bei Diabetes-Patienten über 65 Jahren fast drei Mal so hoch wie bei gleichaltrigen gesunden Menschen.

Gefahr unterschätzt

Doch auch bei Diabetikern unter 65 Jahren raten Ärzte zur Schutzimpfung. Das Risiko einer Lungenentzündung unterschätzt hat Fritz Tomaschek, selbst Diabetes-Patient und Aufklärer. „Ich selbst hatte meine erste Lungenentzündung mit Anfang 40. Ich habe sie unterschätzt, obwohl mir die Infektanfälligkeit bekannt ist. Insgesamt habe ich mehrere Wochen an der Krankheit laboriert. Die Erkrankung brachte meine Diabetes-Einstellung durcheinander.“

Für MR Dr. Reinhold Glehr, Vizepräsident der Österreichischen Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin, steht fest, dass Hausärzte ihre Patienten öfter an die Schutzimpfungen erinnern sollten. Besonders eben jene Personen mit erhöhtem Risiko. Auch Pflegeheim-Patienten werden zu wenig geimpft.

„Viele denken im Herbst an die Influenza-Impfung. Pneumokokken werden leider häufig vergessen.“

Gemeinsam für bessere Impfaufklärung: MR Dr. Reinhold Glehr, Dr. Oskar Janata, Mag. pharm. Dr. Christiane Körner und Fritz Tomaschek (v.l.n.r.)

Gemeinsam für bessere Impfaufklärung: MR Dr. Reinhold Glehr, Dr. Oskar Janata, Mag. pharm. Dr. Christiane Körner und Fritz Tomaschek (v.l.n.r.)

Impfaktion ab 1. Oktober 2018

Damit mehr Menschen über die Möglichkeit, sich mittels Pneumokokken-Impfung gegen einen häufigen Auslöser einer Lungenentzündung oder einer invasiven Pneumokokken-Erkrankungen erfahren, startet der Verein zur Förderung der Impfaufklärung eine neue Kampagne. VFI-Präsidentin Dr. Christiane Körner: „Durch unsere Kampagne wollen wir die Menschen verstärkt auf dieses Thema aufmerksam machen. ApothekerInnen und ÄrztInnen stehen allen, die genauere Informationen benötigen mit Rat und Tat zur Seite.“

Ab. 1. Oktober 2018 bis 31. März 2019 sind die Pneumokokken-Impfstoffe in den Apotheken in den teilnehmenden Bundesländern auf Rezept vergünstigt erhältlich.

Autor: Lukas Winter
Bilder: Fotolia | Privat | Verein zur Förderung der Impfaufklärung/Hautzinger

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