Für manche brechen die Welt, das Selbstbild und die Zukunftspläne zusammen. Für andere wird die Herzkrankheit der Schlüssel zu einem neuen Leben.

o. Univ.-Prof. DDDR. Wolfgang Mastnak, Präsident des Österr. Herzverbandes

o. Univ.-Prof. DDDR. Wolfgang Mastnak, Präsident des Österr. Herzverbandes

Leben mit einer Herzkrankheit lässt sich nicht über einen Leisten schlagen, sondern hängt vor allem von drei Faktoren ab. Erstens die tatsächliche physiologische Beeinträchtigung, etwa die Schädigung, die ein Herzinfarkt verursacht hat oder der zunehmende Verlust von Energie bei chronischer Herzinsuffizienz. Zweitens spielt die Einstellung zur Krankheit eine entscheidende Rolle.

Es macht einen entscheidenden Unterschied, ob sich jemand aufgibt und depressiv abtaucht oder ob er im Bewusstsein der noch ungenutzten Ressourcen sein Leben neu in die Hand nimmt. Drittens geht es in nahezu allen Fällen darum, den bisherigen Lebensstil zu ändern. Das heißt allerdings nicht, dass man nur mehr die Herzkrankheit vor Augen hat. Vielmehr geht es um Wege in die Gesundheit.

Das Risiko analysieren

Wir wissen heute aus einer Fülle medizinischer Studien, dass Herzerkrankungen ihre sehr klare Entwicklungsgeschichte haben. Genetische Bedingungen bestimmen die Herzklappen, erhöhte Blutfette, Übergewicht und Nikotin schädigen die Herzkranzgefäße, Stress und Hektik können zu Herzrhythmusproblemen und Hypertonie führen. Es gilt, die Risikofaktoren abzuklären und dahingehend den Lebensstil neu auszurichten. Dabei spielt die Ernährung eine entscheidende Rolle. Begriffe wie Mittelmeerkost und Energiebedarf kommen ins Spiel.

Gleichzeitig gilt es, Gefahren der reaktiven Entwicklung psychischer Probleme vorzubeugen: Angst vor einem Rückfall, Verlust des Vertrauens in den eigenen Körper, Selbstaufgabe und Depression, zwanghaftes Denken an die Krankheit, Panik und Verzweiflung. Gespräche mit Betroffenen, die ähnliche Probleme gemeistert haben, sind hilfreich. Der ÖHV ist dafür ein ideales Forum. Und: psychische Probleme fördern in einer Art Teufelskreis Herzkrankheiten.

Mit Sport entgegenwirken

In der Kardiologie – und nicht nur in dieser Disziplin – entpuppt sich Sport immer mehr als gesundheitsförderndes Multitalent. Er hat präventives und heilendes Potenzial – sofern er regelmäßig und in genau abgestimmten Intensitäten betrieben wird. Nachhaltigkeit ist hier der Schlüsselbegriff. Dabei kommen in den Herzsportgruppen des ÖHV die verschiedensten Sportarten zum Einsatz: Wandern, Laufen, Radfahren, Nordic Walking, Schwimmen, Qigong, Judo – um nur einige zu nennen. Eingebundenheit in die Gruppe und ärztliche Supervision fördern das „Dranbleiben“ und machen Sport zu einem Faktor von Lebensqualität.

Gezielt entspannen

Zudem sind so genannte Selbstregulationstechniken im Aufwind. Das sind Methoden der Selbstanwendung, mit denen krankheitsrelevante Faktoren kontrolliert werden können. So kann sich etwa über die Jahre Stressempfinden chronifizieren. Das heißt, auch wenn kein Stressor unmittelbar vorhanden ist, besteht psychophysiologischer Stress, was letztlich auch Burnout begünstigt. Gezielte Entspannung- und Mentaltrainings können hier helfen, wieder ins Lot zu kommen. Das fördert die Gesundheit und Lebensqualität und fährt Herzrisiken herunter.

Kardiologie und Selbsthilfe sind heute so fortgeschritten, dass in vielen Fällen Herzkrankheit keine Katastrophe mehr ist. Entscheidend ist allerdings, wie man damit umgeht. Dazu stellt der ÖHV aktiv Hilfen.

Weitere Informationen finden Sie auf www.herzverband.at

Autor: o. Univ.-Prof. DDDR. Wolfgang Mastnak
Bilder: Pixabay | ZVG

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