In letzter Zeit sprießen zahlreiche neue Shops mit Hanf-Lebensmitteln aus dem Boden. Produkte mit CBD sind auch in Österreich gefragt wie nie. Wir sprachen daher mit Fabian Braitsch, Mitbegründer des Unternehmens „The Hempions“, über die Gründe, ein Unternehmen mit Hanf-Lebensmitteln zu gründen und darüber, ob dies nur ein neuer Food-Trend ist.

Warum erleben Hanfprodukte derzeit einen Boom?

Dafür verantwortlich ist zum einen die Legalisierung von Hanf in Kanada, US-Bundesstaaten wie Colorado und Kalifornien. Zum anderen erfreut sich der legale Wirkstoff Cannabidiol (CBD), welcher vor allem in der Hanfblüte enthalten ist, immer größerer Beliebtheit. Die positive Wirkung von CBD bei verschiedensten Beschwerden wurde bereits in unzähligen Studien nachgewiesen. Ich denke, dass vor allem die medizinische Anwendung von Hanf für den Boom verantwortlich ist.

Ihr habt euch auf Lebensmittel fokussiert. Warum?

Fabian Braitsch (rechts vorne) gründete mit seinem Team das Unternehmen „The Hempions“, das auf Hanf-Produkte aus heimischem Anbau setzt.

Fabian Braitsch (rechts vorne) gründete mit seinem Team das Unternehmen „The Hempions“, das auf Hanf-Produkte aus heimischem Anbau setzt.

Die wesentlichen Gründe dafür sind einerseits die Probleme, welche die globale Lebensmittelindustrie mit sich bringt und andererseits die Chancen von Hanf als Nahrungsmittel.

Hanfsamen gehören zu den besten Eiweiß- und Fettlieferanten überhaupt, denn sie stecken voller Vitamine, Mineralstoffe und sekundärer Pflanzenstoffe. Die Hanfpflanze wächst fast überall auf der Erde ohne den Einsatz von Dünger oder Spritzmittel und verbessert zudem die Böden. Darüber hinaus kann die gesamte Hanfpflanze von der Wurzel bis Blattspitze weiterverwendet werden. Unserer Meinung nach ist Hanf ideal als Grundnahrungsmittel geeignet und deshalb viel mehr als nur ein Trend.

Ein grundlegendes Problem in der globalen Lebensmittelindustrie sind die langen Transportwege und die Ausbeutung bestimmter Regionen. So führt der Konsum gesunder Trend-Lebensmittel wie beispielsweise Avocados oder Quinoa zu großen Problemen für die lokale Bevölkerung. Dennoch landen diese Lebensmittel nach Transportwegen von mehr als 10.000 Kilometern auf dem Teller von gesundheits- und umweltbewussten Menschen.

Hinzu kommen die großen Probleme im Zusammenhang mit tierischen Lebensmitteln. Laut einer umfassenden wissenschaftlichen Studie beansprucht Tierhaltung alleine mehr als 80 Prozent aller Ackerflächen und verursacht 60 Prozent der Treibhausgase. Wem der Planet am Herzen liegt, sollte demnach weniger und regionales Fleisch und Milchprodukte konsumieren.

Sind Hanf-Lebensmittel legal in Österreich?

Ja, Nutzhanf darf generell in ganz Europa angebaut und verkauft werden. Dazu gibt es einen EU-Sortenkatalog, welcher nur THC-armen Hanf beinhaltet. Unser gesamtes Sortiment entspricht den Vorschriften und wird von erfahrenen Bauern aus zertifiziertem Saatgut produziert.

THC? CBD? – Was sind die Unterschiede?

Der wesentliche Unterschied liegt darin, dass Cannabidiol (CBD) im Gegensatz zu Tetrahydrocannabinol (THC) grundsätzlich keine berauschende Wirkung aufweist. Deshalb ist CBD in der gesamten EU ohne Einschränkungen legal erhältlich, THC jedoch nur in geringen Mengen und unter speziellen Umständen. Sowohl THC als auch CBD gehören zu der Familie der Cannabinoide und sind Inhaltsstoffe der Hanfpflanze. Mittlerweile sind über 200 Cannabinoide bekannt, welche vor allem in der Hanfblüte enthalten sind. Aktuell ist lediglich die medizinische Wirkung von THC und CBD erforscht.

CBD-Produkte genießen einen guten Ruf in Bezug auf die menschliche Gesundheit. Worin ist das begründet?

Das liegt daran, dass ein Teil des menschlichen Nervensystems über körpereigene Cannabinoide kommuniziert, die den Cannabinoiden der Hanfpflanze sehr ähnlich sind. Die meisten Rezeptoren des körpereigenen Endocannabinoidsystems befinden sich im Gehirn, Rückenmark und Immunsystem. Werden von außen Cannabinoide wie CBD zugeführt, kann dies unterstützend auf das Endocannabinoidsystem und somit auf unser Nervensystem wirken. Damit lassen sich auch die vielen möglichen Anwendungsbereiche von CBD erklären, die von Schmerzen und Entzündungen über Schlaflosigkeit und Stress bis zu schweren Krankheiten wie Multiple Sklerose, Epilepsie oder sogar Krebs reichen.

Wo kommt euer Hanf her?

Unser Hanf stammt aus biologischem Anbau in Österreich. Wir achten auf regionale Wertschöpfung vom Anbau bis zum Endprodukt, um Transportwege kurz zu halten und so den ökologischen Fußabdruck zu minimieren. Zudem ist uns wichtig, dass wir jederzeit bei den Bauern vor Ort die Produktion ansehen können, um uns von den Qualitätsstandards zu überzeugen. Diese Transparenz wollen wir ebenso an den Kunden weitertragen, sowohl in Bezug auf den Anbau als auch die Verarbeitung unserer Produkte.

Darüber hinaus sind wir der Meinung, dass wir in der Region alles vorfinden, was für einen gesunden und auch reichhaltigen Lebensstil nötig ist. Deshalb setzen wir auf die lokale Landwirtschaft und meiden den Import von Lebensmitteln, welche bereits tausende Kilometer zurückgelegt haben.

Welches sind die beliebtesten Produkte?

Unser geschmackvolles Hanfnussöl ist durch den hohen Gehalt an Omega-3 und Omega-6 und seiner intensiv-nussigen Note besonders beliebt. Sportler setzen auf unser mineralstoffreiches Hanfprotein-Pulver. Der Favorit für die schnelle Küche sind unsere Dinkel-Hanfnudeln. Darüber hinaus erfreuen sich geschälte und ungeschälte Hanfsamen als Zugabe zu Müslis, in Salate und als Snack immer größerer Beliebtheit.

Was plant ihr für die Zukunft?

Im kommende Jahr werden wir erste Produkte aus eigenem Vertragsanbau anbieten und mit Hilfe einer Crowdfunding-Kampagne in weitere Märkte im Lebensmittelbereich starten. Geplant ist eine Linie für den Fitnessmarkt sowie weitere innovative Hanf-Produkte.

Unsere Vision ist es, weltweit und zugunsten aller das volle Potential der Hanfpflanze zu nutzen.

Weitere Informationen zu The Hempions finden Sie auf www.thehempions.com

Autor: Bernhard Kröll
Bilder: Adobe Stock | ZVG

Quellen:

http://science.sciencemag.org/content/360/6392/987

https://www.who.int/medicines/access/controlled-substances/5.2_CBD.pdf

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