Ernährung & Volkskrankheiten – ein kurzer Rückblick

Um die Zusammenhänge zwischen Ernährung und häufigen Volkskrankheiten zu verstehen, lohnt sich ein Blick zurück in jene Zeit, in der die Menschheit am gesündesten war: die Steinzeit. Danach begannen sich bestimmte Krankheitsbilder zu häufen. Die Ursachen dafür sind nicht nur, aber vor allem in der Ernährung zu suchen.

Die steinzeitlichen Jäger und Sammler kannten vermutlich noch keine Volkskrankheiten. Weder Gicht noch Rheuma, noch Karies oder Osteoporose waren ein Thema, wie Funde belegen. Man erkrankte an Erkältungen oder Vergiftungen, an Erbfehlern oder aufgrund von Verletzungen, starb an Blutvergiftung oder im Zuge einer Geburt, man ertrank oder wurde gefressen. Doch der Speiseplan der Jäger und Sammler war optimal auf unsere Bedürfnisse abgestimmt. Zu keinem späteren Zeitpunkt in der Menschheitsgeschichte war die Nahrung des Homo sapiens ähnlich abwechslungsreich, nie war die Gattung Mensch fitter und leistungsfähiger.

Mangel an Nährstoffen

Die steinzeitlichen Jäger und Sammler kannten vermutlich noch keine Volkskrankheiten. Weder Gicht noch Rheuma, noch Karies oder Osteoporose waren ein Thema, wie Funde belegen. Man erkrankte an Erkältungen oder Vergiftungen, an Erbfehlern oder aufgrund von Verletzungen, starb an Blutvergiftung oder im Zuge einer Geburt, man ertrank oder wurde gefressen. Doch der Speiseplan der Jäger und Sammler war optimal auf unsere Bedürfnisse abgestimmt. Zu keinem späteren Zeitpunkt in der Menschheitsgeschichte war die Nahrung des Homo sapiens ähnlich abwechslungsreich, nie war die Gattung Mensch fitter und leistungsfähiger.

Es gab zahlreiche Gesundheitsgefahren in der Welt der Wildbeuter, doch erst Ackerbau und Sesshaftigkeit brachten einseitige Ernährung und körperliche Arbeit mit sich – und damit Nährstoffmängel und Arthrosen. Während die Viehzucht noch mit einer (teil-)nomadischen Lebensweise vereinbar war, erforderte (bzw. ermöglichte) der Ackerbau die dauerhafte Sesshaftigkeit. Erstmals in der Geschichte der Menschheit waren durch den Getreideanbau größere Mengen kalorienreicher (weil stärkehaltiger) Lebensmittel vor Ort verfügbar.

Mag. Gerit Fischer ist selbständige Ernährungswissenschafterin und Autorin.

Das führte zwar zu einer guten Versorgungslage und damit zu einer Bevölkerungsexplosion, aber auch zu neuartigen Ernährungsproblemen wie einseitiger und proteinarmer Nahrung, zum Mangel an einzelnen Nährstoffen trotz Deckung des Energiebedarfs. Die geringe Lebenserwartung früherer Zeiten war hauptsächlich diesem Mangel an einzelnen Mikronährstoffen (Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente) geschuldet.

Nahrung im Überfluss

Seit Beginn der landwirtschaftlichen Revolution vor 10.500 Jahren im Nahen Osten wurde die Lebensmittelproduktion mehrfach revolutioniert, und heute leben wir in einer Welt, in der jede nur vorstellbare Nahrung im Überfluss verfügbar ist. Energielieferanten wie Eiweiß, Fett und Kohlenhydrate, Salz, außerdem Genussmittel wie Kaffee, Alkohol und Tabak. Nur eines ging verloren: die große Vielfalt an kalorienarmer Nahrung, die reich an Ballaststoffen, Mikronährstoffen und bioaktiven Pflanzenstoffen war und die man sich obendrein durch Jagen oder Sammeln erst einmal erarbeiten musste.

Während unsere Urahnen über‘s Jahr bis zu 500 verschiedene Pflanzen als Nahrungsquelle nutzten, stammt der Großteil der modernen Ernährung von nur 17 verschiedenen Nutzpflanzen. Und am billigsten sind kalorienreiche Lebensmittel mit wenig oder gar keinen bioaktiven Pflanzenstoffen und Mikronährstoffen. Dabei ist unser Stoffwechsel immer noch derselbe wie in der Steinzeit.

Zu fett und zu salzig

Das Department für Ernährungswissenschaften in Wien verfasst alle vier bis fünf Jahre einen Österreichischen Ernährungsbericht, der wieder und wieder zum gleichen Ergebnis kommt: Die Österreicherinnen und Österreicher essen zu fett und zu salzig, zu wenig (komplexe) Kohlenhydrate und zu wenig Ballaststoffe. Handfeste Mikronährstoffmängel sind zwar kaum zu beobachten, bis auf einige „kritische“ Nährstoffe, bei denen manche Menschen einen Mangel aufweisen, und wenige weitere, die bei bestimmten Gruppen wie Schwangeren, Kindern oder älteren Menschen im Mangel vorliegen.

Die echten Probleme liegen bei der Überversorgung: Eine hochkalorische Ernährungsweise mit viel Zucker und Fett wird mit der weiten Verbreitung von Übergewicht in Verbindung gebracht, der zu hohe Salzkonsum mit dem Problem des Bluthochdrucks. Bewegungsmangel, Reizüberflutung und Hektik tun ein Übriges; Herzprobleme, Verdauungsstörungen und Störungen am Bewegungsapparat sind die Folge.

Auswirkungen auf den Darm

Einzig bei Ballaststoffen herrscht ein krasser Mangel, v. a. an solchen aus Obst, Gemüse und Pilzen: nämlich 20 g statt mindestens 30 g täglich. Dieses Zuwenig steht in direktem Zusammenhang mit dem Massenphänomen der Obstipation (Verstopfung), das sich bereits durch alle Altersgruppen zieht, aber auch mit erhöhten Cholesterinwerten im Blut. Außerdem dienen Ballaststoffe vielen Darmbakterien als Futter. Sie setzen sie zu kurzkettigen Fettsäuren um, die den Darmschleimhautzellen als Nahrung zur Verfügung stehen und so für eine elastische und intakte Darmschleimhaut sorgen.

Und das ist nur ein kleiner Einblick in die Wechselwirkungen zwischen der Ernährung und der Gesundheit des Darms – der bekanntlich auch der Sitz des Immunsystems ist. Dementsprechend sind Fehlfunktionen des Immunsystems auf dem Vormarsch: Allergien und Autoimmunerkrankungen stellen die Gesundheitsversorgung vor immer größere Probleme. Verquickungen chronisch-entzündlicher und psychischer Probleme nehmen zu, Beispiele sind die Hashimoto-Thyreoiditis und Morbus Crohn. Dazu kommen diffuse Beschwerdebilder mit schwer greifbarem Kern, die oft jahrelang falsch oder gar nicht diagnostiziert und behandelt werden (können). Hier ist noch viel Forschung vonnöten.

Was hilft?

Weder „Superfoods“, noch Nahrungsergänzungsmittel können schlechte Ernährungsgewohnheiten wettmachen. Die Empfehlung ist und bleibt: Bunt und abwechslungsreich essen, gering verarbeitete Lebensmittel und pflanzliche Kost bevorzugen, täglich Gemüse und Grünkräuter, tierische Produkte wenn möglich aus Freilandhaltung, gute Pflanzenöle in bescheidenen Mengen, und möglichst regelmäßig die stark unterschätzten Pilze. Dazu ausreichend trinken und für Bewegung im Freien sorgen.

Mehr Informationen finden Sie auf der Website www.gerit-fischer.at

Autorin: Mag. Gerit Fischer
Bilder: Pixabay | ZVG

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